Dossier geistlicher Missbrauch

"Ich möchte ausdrücklich sagen: Es gab in den letzten Jahren Menschen, die die Kraft gefunden haben, sich öffentlich über ihre Erfahrungen zu äußern. Sie haben ihre Angst überwunden, nicht gehört zu werden – und damit haben Sie sich einer Öffentlichkeit verletzbar gemacht.

Diesen mutigen Schritten wissen wir uns als Kirche verpflichtet, wenn wir uns mit dem Phänomen und seinen Ursachen aus den verschiedenen Perspektiven beschäftigen. Ich bin sehr froh, dass Sie uns so ehrlich und mutig ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen und damit einen wichtigen Beitrag zur Bewusstwerdung leisten.

Danke für Ihren Mut. Für Ihre Offenheit. Danke für Ihre Kraft. Ich kann nur erahnen, was dies für Sie bedeutet. Es ist unsere Verantwortung, aus dem erfahrenen Leid Konsequenzen zu ziehen."

Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen, zum Abschluss der Tagung "Gefährliche Seelenführer"

 

In Folge der Tagung "Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch" am 12. und 13. November ist dieses Dossier entstanden und wird im Moment regelmäßig ergänzt (Stand: 18.11.2020).

 

Ansprechbar

Auch nach der Tagung steht Ihnen Sr. Petra Maria zum persönlichen Gespräch zur Verfügung. Sie versteht sich als Hörende und will Ihr Anliegen als Betroffene(r) aufnehmen. Im Rahmen dieser Gespräche können keine konkreten Verarbeitungsschritte benannt werden.

Sr. Petra Maria Brugger erreichen Sie unter Tel.: 0172-3567056 und per Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Sie ist ist Referentin für Spiritualität und Kirchenentwicklung im Bistum Dresden-Meißen. Sr. Petra Maria ist mit der Thematik der Tagung seit vielen Jahren durch Geistliche Begleitung von betroffenen Personen und durch Ausbildung von Geistlichen Begleiterinnen vertraut. 

 

Die Tagung

Erwartungen

Weitere Informationen während der Tagung

Mit den Vorträgen und Diskussionen sind Fragen entstanden, die zu erweiterten Reflexionsprozessen geführt haben. Manche möchten gern auch die Vorträge nochmals nachlesen oder hören. Wir sind derzeit im Gespräch mit den Referent*innen, einen Teil der Informationen auch an dieser Stelle abzubilden.

Zum Download:

 

Abschlusspressekonferenz

 

Dokumentation der Ergebnisse

Für die Tagung wird keine gesonderte Publikation zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen. Stattdessen haben wir uns entschieden, bereits zu der Veranstaltung das Sonderheft "Herder Thema: Gefährliche Seelenführer" zu veröffentlichen, das über die Vorträge der Tagung hinausgeht. Im Buchhandel sowie bei Herder ist es jederzeit zu erwerben (ISBN:  978-3-451-02747-5).

 

Verpflichtungen des Bistums

Bischof Timmerevers formulierte zum Abschluss der Tagungen die nächsten Umsetzungsschritte für das Bistum Dresden-Meißen. In der Folge sind diese hier nochmals als Zitat dargestellt:

"Nach dem Gehörten sage ich Ihnen schmerzlich: Ich wünschte, wir wären schon weiter. Umso mehr möchte ich die Tagung nutzen, jetzt die nächsten Schritte zu gehen. Dazu möchte ich Ihnen gern folgende Schritte vorstellen:

1.) Wir werden das Gehörte setzen lassen. Nicht, weil wir zögern oder die Not von Betroffenen ausblenden wollen. Im Moment können wir nur anbieten, zuzuhören und das Leid wahrzunehmen.

2.) Wir werden eine Arbeitsgruppe einrichten. Denn wir merken mit der Tagung deutlich: Wir sind lernend! Aber wir haben genau auf diese Dynamik der Tagung gehofft. Sie bringt uns weiter. Neben der internen Expertise brauchen wir die externen Hinweise und Kritik.

Diese Arbeitsgruppe wird den Auftrag erhalten, Kriterien zu erarbeiten, wie wir geistlichen Missbrauch definieren, welche Verfahren wir mit Betroffenen anbieten und welche präventiven Maßnahmen wir entwickeln. Ich möchte den Impuls aus der Tagung aufgreifen, die Aus- und Weiterbildung in diesem Feld zu stärken.

Vor allem bei der Entwicklung von Verfahren bedeutet es aber auch, es bis zum Ende zu denken: Wie gehen wir mit Beschuldigten um? Hier lassen sich Erfahrungen im Umgang mit dem sexuellen Missbrauch ableiten. Aber mein Eindruck nach der Tagung ist auch, dass es sich auch nicht 1:1 übernehmen lässt.

3.) Wir werden Ansprechpersonen benennen, die für Menschen da sind, die den Eindruck haben, sie sind vom geistlichen Missbrauch betroffen. Wir machen dies sobald wie möglich. Auf dem Weg dorthin machen wir in den kommenden Monaten die Schritte transparent. Im Vorbereiten der Tagung haben wir gemerkt: Wenn wir jetzt schon Ansprechpersonen benennen wollen, brauchen wir nicht nur Personen, sondern auch einen Rahmen, mit dem sie agieren können.

Und wir müssen uns nochmals verständigen, welche Charakteristika die Personen prägen soll. Es sollten Menschen sein, die einerseits mit geistlichem Leben vertraut sind, aber andererseits eine gute Distanz zur kirchlichen Hierarchie haben und möglichst nicht in (finanzieller) Abhängigkeit des Bistums stehen. Es ist eine Frage nach Profession und Persönlichkeit – und Bereitschaft.

Die vergangenen Stunden haben mich bestärkt: Zuerst Kriterien, verlässliche Definition und Erwartungs-Profil, dann die konkreten Ansprechpersonen.

4.) Ich hoffe, dass wir innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz zu einem abgestimmten Umgehen mit der Thematik kommen. Heute erleben Sie schon einmal zwei Bischöfe, andere Bistümer sind schon konkrete Umsetzungsschritte vor Ort gegangen. Ich bin sicher, dass dieses Thema auch von anderen Bischöfen weiter vertieft wird. Ich hoffe, dass eine Wegmarke bei dem vor uns liegenden Marathon die Vollversammlung der deutschen Bischöfe im Februar 2021 in Dresden sein wird. Eine andere Wegmarke ist der Synodale Weg.

Die Tagung hat nochmals vor Augen geführt: Wenn wir den spirituellen Missbrauch verhindern wollen, müssen wir an Machtstrukturen und auch eine künftige priesterliche Existenz neue Anforderungen stellen. Deswegen verstehe ich die Tagung auch als einen Impuls für den Synodalen Weg."

 
 

#lernendeKirche

Gepostet von Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen am Donnerstag, 12. November 2020


 

Medienstimmen

 

Weiterführende Literatur

Utsch, Michael: Gurus in der Esoterikszene. Die Macht des Meisters. In: Herder Korrespondenz Spezial 1/2018, S. 12-15.

Anders, Anne Iris Miriam; Utsch, Michael: Missbrauch in religiösen Gemeinschaften anhand von Fallbeispielen buddhistischer Gruppen. In: Persönlichkeitsstörungen 24.3 (2020), S. 222-238.

 

Fragen und Antworten

Aus der Tagung haben sich Fragen für Betroffene ergeben, die in den kommnde Wochen erarbeitet und durch Experten mit Antworten ergänzt werden.