15. Oktober 2020

Sterbeprozess als Teil des Lebens und Miteinanders

Katholische Akademie trifft mit Hospiz zusammen und diskutiert über die Menschenwürde am Lebensende

 

Dresden, 16.10.2020: Seit einer Woche hat Dresden sein erstes stationäres Hospiz: Das Marien-Hospiz am St Joseph-Stift. Die selbst gesetzte Maxime des Hauses ist es, den Gästen auch im Sterben ein gutes Leben zu ermöglichen. Auf dem Weg zum Ende des Lebens sehnt sich jeder Mensch danach, mit Respekt behandelt zu werden. Häufig stehen dem aber eine Ökonomisierung des Gesundheitssystems und eine Tabuisierung der Thematik im gesellschaftlichen Alltag entgegen.

Wie lässt sich also der Erhalt dieses menschlichen Grundbedürfnisses auf medizinische Versorgungsabläufe oder politische Gesetzlichkeiten übertragen? Dieser Herausforderung widmete sich das gestrige Podiumsgespräch „Würde es zu Ende gehen – Zum Wertgefühl in der Hospizarbeit“, zu dem die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen in Zusammenarbeit mit dem St. Joseph-Stift und dem Marien-Hospiz am 15. Oktober eingeladen hatte.

Zunächst schien der Abend unter keinem guten Stern zu stehen. Nicht nur die Moderatorin, Dr. med. Barbara Schubert, Chefärztin der Fachabteilung Onkologie, Geriatrie und Palliativmedizin des Joseph-Stifts, musste kurzfristig absagen. Auch Ulrich Braun, Theologe und Ethiker am Max-Planck-Institut fiel aufgrund einer Autopanne als Podiumsteilnehmer aus. Doch auch unter den weiteren geladenen Referenten – Franz Müntefering, Prof. Dr. Friedemann Nauck und Hermann Reigber – entspann sich ein interessanter Dialog darüber, wie Politik, Religion, Medizin und Bildung Handlungsräume zu einem würdevollen Umgang schaffen könnten.

Franz Müntefering sprach von veränderten Sterbeprozessen, der Gefahr der Vereinsamung der Sterbenden und ihrer Angehörigen und appellierte an die Gesellschaft, dem mit Teilhabe und Partizipation entgegenzuwirken. Prof. Dr. med. Friedemann Nauck nahm das medizinische Personal in den Blick und mahnte Verbesserungen in den Krankenhaus- und Versorgungsstrukturen an, damit Haupt- und Ehrenamtliche der Hospizarbeit nicht zu „hilflosen Helfern“ würden. Hermann Reigber betonte, dass die Würde in der Hospizarbeit ein „tun für Andere ist“ und es dazu Reflexionsräume brauche. Dabei könnten Bildungsträger, aber auch Medien solche Reflexionsräume schaffen. Die Menschenwürde eines jeden wachse durch die Begegnung und Beziehung zu anderen Menschen. Hospizarbeit lebe nicht nur vom Dialog, sie sei darauf angewiesen, dass die Gesellschaft darüber spräche, damit der Sterbeprozess kein Randgeschehen bleibe, sondern als Teil des Lebens und Miteinanders verstanden werde.

So lautete letztlich der gemeinsame Appell des Abends, dass  ein wertschätzendes Zuhören und Einander-Anhören entscheidend sei. Neben dieser Veranstaltung will die Katholische Akademie mit ihrer gesamten Herbstreihe „Als gäb‘s kein Morgen“ eine Plattform bieten, um über den Tod und die Trauer zu diskutieren. Nähere Informationen zu den weiteren Veranstaltungen dieser Reihe können dem Programmheft oder der Website der Katholischen Akademie entnommen werden: https://www.katholische-akademie-dresden.de/reihen/als-gaeb-s-kein-morgen.