Wandel

22. Oktober 2020 | Donnerstag | 19:30 Uhr | Agricolaforum Chemnitz

Prof. Dr. Armin Wildfeuer, Köln

Scheitern – typisch menschlich!

Die Auskunft der philosophischen Anthropologie

Spätmoderne Gesellschaften sind durch Hyperkomplexität aller Lebensverhältnisse geprägt. Das Individuum ist daher einer permanenten Überforderungs- und Ernüchterungssituation ausgesetzt. Dennoch wird die Möglichkeit des Scheiterns aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt, das Eingeständnis eigenen Scheiterns tabuisiert und der Umgang mit dem Gescheiterten durch Verweis auf die Zuständigkeit der bestehenden professionellen Hilfesysteme ghettoisiert. 

Denn es gehört zum Programm, verbleibende Kontingenzen möglichst aktiv durch soziotechnische und ökonomistische Interventionen auflösen oder zumindest an den Rand schieben zu wollen. Weil die Hoffnung besteht, auch das Scheitern mit fortschreitender Zivilisation prinzipiell vermeiden zu können, wird das konkrete Scheitern zum schicksalhaften, in der Bedeutung für das menschliche Leben insgesamt vernachlässigbaren Rest zivilisatorischer Existenz degradiert und in seiner generellen Bedeutung für das Ganze der menschlichen Existenz ausgeblendet. Dies verkennt, dass Menschsein und Scheitern unweigerlich zusammengehören. Denn die Fähigkeit zu scheitern ist nichts anderes als endliche Freiheit und endliche Vernunft einerseits als Gabe, andererseits als Aufgabe zu besitzen.

 

Prof. Dr. Armin Wildfeuer lehrt Philosophie an der Katholischen Hochschule NRW in Köln mit den Schwerpunkten Philosophische Ethik, Philosophische Anthropologie, Sozialphilosophie und Politische Philosophie.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz statt.

Gemeindezentrum St. Johannes Nepomuk

Hohe Straße 1
09112 Chemnitz

Anmeldung

			

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