Menschsein zwischen Produkt und Gabe

17. Mai 2018 | Donnerstag | 19:00 Uhr | Menschsein zwischen Produkt und Gabe

Prof. Dr. Katharina Liebsch, Hamburg

Überwachung des Lebendigen?

Gendiagnostik zwischen Versprechen und neuen Zwängen

Schon in den 1990er Jahren haben kritische Stimmen davor gewarnt, dass Gentechnik und Gendiagnostik nicht nur die Chancen vergrößern, Krankheiten vorzubeugen und zu behandeln, sondern gleichermaßen auch das Entstehen neuer Formen von Selbst-Kontrolle sowie Ängste vor Benachteiligung und sozialem Ausschluss befördern können. Die Politik hat auf diese Befürchtung mit der Einführung des 2010 in Kraft getretenen Gendiagnostik-Gesetzes reagiert, das darauf zielt, negative Begleiterscheinungen der Gendiagnostik unter anderem durch das Verbot von „genetischer Diskriminierung“ zu vermeiden.

Heute ist genetisches Wissen vielfach institutionalisiert, zum Beispiel in der Form genetischer Beratungsstellen, als Regelungen zur Kostenübernahme genetischer Untersuchungen durch Krankenversicherungen oder wenn Ärztinnen und Ärzte dafür ausgebildet werden, genetische Daten zu lesen und zu interpretieren. Damit stellt sich die Frage nach den gesellschaftlichen Folgen von Gendiagnostik und der Bedeutung von gendiagnostischen Untersuchungen für die Betroffenen. Auf welchen Wegen zieht das genetische Wissen in das Leben der Betroffenen und ihrer Familien ein und verändert deren Selbstbilder, Lebensführung und sexuelle Reproduktion?

Prof. Dr. Katharina Liebsch lehrt Soziologie unter besonderer Berücksichtigung der Mikrosoziologie an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg.

Die Veranstaltung findet statt in Zusammenarbeit mit dem St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig.

St. Elisabeth-Krankenhaus

Konferenzzentrum
Biedermannstraße 84
04277 Leipzig

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