Vertraute Fremde

04. Dezember 2018 | Dienstag | 19:30 Uhr | Novalisforum Freiberg

Prof. Dr. Hildegund Keul, Würzburg

Verwundete Vertrautheit

Warum es sich lohnt, Verletzlichkeit zu riskieren

Wenn die Sehnsucht nach sicherer Vertrautheit durch das Fremde gestört wird, entsteht eine Spannung, die das Eigene hinterfragt. Unsicherheit macht empfindlich und verwundbar. Im aktuellen Vulnerabilitätsdiskurs der Wissenschaften, der derzeit von der Medizin bis zur Klimafolgenforschung alle Be reiche durchzieht, erweitert die Theologie den Horizont: Denn das Christliche vermeidet nicht die Verletzbarkeit, sondern provoziert sie. Gerade angesichts des Advents wird deutlich, wie unvermittelt Gott in die menschliche Existenz einbricht und sie verunsichert. Dies widerspricht der Logik des Indivi duums, der Kirche und der Gesellschaft, zum Schutz eigener Identität Grenzziehungen vorzunehmen. Lohnt es sich, die ei gene Verletzlichkeit – wie das Kind in der Krippe – zu zeigen, um sich selbst zu entwickeln und ein humanes Zusammenle ben zu ermöglichen? Oder riskiert die Öffnung für das fremde Neue eine Verletzbarkeit, die zu tiefe Wunden reißt? Der Kern der christlichen Botschaft ermöglicht es, nicht nur über die eigene Verwundbarkeit nachzudenken, sondern sie auch als Chance für die Gesellschaft zu verstehen.

 

Apl. Prof. Dr. Hildegund Keul lehrt Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Würz burg. Die Veranstaltung findet statt in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband für Chemnitz und Umgebung e. V.

TU Bergakademie Freiberg, Institut für Mineralogie

Großer Hörsaal (WER-1045), 1. OG
Abraham-Gottlob-Werner-Bau
Brennhausgasse 14
09599 Freiberg

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