Kathedralforum Dresden

14. Dezember 2017 | Donnerstag | 19:00 Uhr | Kathedralforum Dresden

Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Schmitz, Dresden

Heinrich Böll. Die katholische Provokation.

Heinrich Böll, Literaturnobelpreisträger des Jahres 1972, war durch sein Werk wie durch sein öffentliches Auftreten der Repräsentant eines kirchenkritischen Katholizismus. Seine erfolgreichen Romane und Erzählungen führten oft genug ins katholische Milieu des „heiligen Köln“ und stellten „unheilige“ Aspekte vor. Der in der Kirche organisierte Glaube entspricht nicht dem Evangelium Jesu Christi – so der oft auch als satirisch gewendete Maßstab für Böll. Köln aber ist ihm dabei Modell für die katholisch geprägte „rheinische Republik“. Kritik an einer konfessionell drapierten Restauration verflicht sich allmählich mit der Suche nach einem anderen Deutschland. Damit entsteht auch eine Spannung zwischen der Verleugnung von Schuld und Verantwortung für die Vergangenheit des Dritten Reiches und der Öffnung für die Welt, die erst in der Einsicht eigener Schuld gelingen kann. So verkörpert es Leni Pfeiffer, die subversive Madonna des Romans „Gruppenbild mit Dame“, für den Böll u.a. den Literaturnobelpreis erhielt. Der 100. Geburtstag von Heinrich Böll gibt Anlass, vor biographischem Hintergrund auf die zentralen Werke Bölls und sein Verhältnis zur Religion zu blicken.


Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Schmitz lehrt Neuere deutsche Literatur und Kulturgeschichte an der Technischen Universität Dresden.

Die Veranstaltung findet statt in Zusammenarbeit mit der Weiterdenken - Heinrich Böll Stiftung Sachsen.

Haus der Kathedrale

Eingang Kanzleigässchen
Schloßstraße 24
01067 Dresden

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