Menschsein zwischen Produkt und Gabe

18. April 2016 | Montag | 19:30 Uhr | Kathedralforum Dresden

Prof. Dr. Katharina Liebsch, Hamburg

Gendiagnostik - Überwachung des Lebendigen?

Versprechen - Optionen - neue Zwänge

Schon in den 1990er Jahren haben kritische Stimmen davor gewarnt, dass Gentechnik und Gendiagnostik nicht nur die Chancen vergrößern, Krankheiten vorzubeugen und zu behandeln, sondern gleichermaßen auch das Entstehen neuer Formen von Selbst-Kontrolle sowie Ängste vor Benachteiligung und sozialem Ausschluss befördern können. Die Politik hat auf diese Befürchtung mit der Einführung des 2010 in Kraft getretenen Gendiagnostik-Gesetzes reagiert, das darauf zielt, negative Begleiterscheinungen der Gendiagnostik u.a. durch das Verbot von „genetischer Diskriminierung“ zu vermeiden.
Heute ist genetisches Wissen vielfach institutionalisiert, z.B. in der Form genetischer Beratungsstellen, als Regelungen zur Kostenübernahme genetischer Untersuchungen durch Krankenversicherungen oder wenn Ärztinnen und Ärzte dafür ausgebildet werden, genetische Daten zu lesen und zu interpretieren.
Der Vortrag fragt nach den gesellschaftlichen Folgen von Gendiagnostik und der Bedeutung von gendiagnostischen Untersuchungen für die Betroffenen und schildert, wie das genetische Wissen in das Leben der Betroffenen und ihrer Familien einzieht und deren Selbstbilder, Lebensführung und sexuelle Reproduktion verändert.

Prof. Dr. Katharina Liebsch lehrt Soziologie unter besonderer Berücksichtigung der Mikrosoziologie an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg.

Die Veranstaltung findet statt in Zusammenarbeit mit der Katholischen Studentengemeinde Dresden.
 

Haus der Kathedrale

Eingang Kanzleigässchen
Schloßstraße 24
01067 Dresden

			

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